Der traditionelle Almauftrieb im Ötztal
Jahrhundertealte Wege der Schafe über die Alpen
Zwischen Mitte Mai und Mitte Juni zeigt sich im Ötztal eine Tradition, die den Beginn des Bergsommers markiert.
Mit dem Frühling verändert sich die Bergwelt im Ötztal spürbar. Die Wiesen werden grün, die Bäche rauschen kräftiger und hoch über den Tälern öffnen nach und nach die Almen. Zwischen Mitte Mai und Mitte Juni erleben Sie hier eine besondere Tradition: den Almauftrieb. Dann ziehen Tiere von den Talorten bis hinauf auf ihre Sommerweiden. Seit Generationen gehört dieser Moment zum festen Rhythmus des Lebens im Tal.
Der Almauftrieb ist gelebte Tradition. Bauern treiben Kühe, Schafe und Ziegen von den Höfen im Tal hinauf auf die Bergalmen, wo die Tiere den Sommer verbringen. Gleichzeitig öffnen viele Almhütten ihre Türen und servieren regionale Spezialitäten. Entlang der Wanderwege begegnen Sie den Herden – ein stilles, eindrucksvolles Bild alpiner Landwirtschaft.
Eine besondere Form dieses Auftriebs ist der Schaftrieb über den Alpenhauptkamm. Jedes Jahr treiben Bauern aus dem Schnalstal in Italien rund fünftausend Schafe über hohe Pässe wie Niederjoch, Hochjoch oder Timmelsjoch ins hintere Ötztal nach Österreich. Die Treiber begleiten die Tiere über Gletscher und steinige Hochgebirgspfade und verbringen den Sommer in einfachen Schäferhütten bei den Herden. Erst im September führt der Weg der Tiere wieder zurück nach Süden.
Die Wurzeln dieser Tradition reichen weit zurück. Schon 1415 wurden die Weiderechte erstmals urkundlich erwähnt. Über Generationen entstanden enge Verbindungen zwischen den Menschen auf beiden Seiten der Alpen, zwischen Italien und Österreich. 2011 wurde dieser Schaftrieb als immaterielles UNESCO-Kulturerbe anerkannt und trägt zugleich zum Erhalt des seltenen Schnalser Schafes bei.
Der Almauftrieb läutet im Ötztal jedes Jahr den Beginn des Bergsommers ein und erinnert uns daran, wie eng Natur, Landwirtschaft und Tradition hier bis heute miteinander verbunden sind.




